Höhen und Tiefen des Mythos Chablis
Das Chablis, das mit weiteren kleineren Appellationen rund 120 Kilometer nordwestlich von Dijon liegt, also weitab vom Kerngebiet des Burgunds, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Im 19. Jahrhundert hatte die Appellation Weltruhm erlangt. Dann dezimierten Mehltau, Reblaus und Kriege die Rebflächen um zwei Drittel. Ende der 1950er-Jahre musste der Weinbau hier sogar durch staatliche Rettungsmaßnahmen am Leben erhalten werden. In den 70ern stieg dann seine Popularität recht unverhofft wieder und die 80er brachten schließlich einen so gewaltigen Boom, dass die Region an ihrem eigenen Erfolg erneut zugrunde ging. „Chablis“ war zum Inbegriff trockener Weißweine geworden. Um die irrsinnige Nachfrage rund um den Globus zu bedienen, wurden sämtliche Register des industriellen Weinbaus gezogen. Doch im gleichen Maß, wie die Verkaufszahlen nach oben schossen, ging es qualitativ bergab, bis zu dem Punkt, an dem der Markt komplett zusammenbrach. Bis heute hat sich das Chablis nicht vollständig von diesem Crash erholt, aber aus der Krise gingen einige Weingüter hervor, die wieder bedingungslos auf Qualität statt Quantität setzten. So auch Nathalie und Gilles Fèvre in Fontenay-Près-Chablis (nicht zu verwechseln mit dem bekannteren William Fèvre), deren Familienweingut seit 1745 alle Höhen und Tiefen durchlebt – und vor allem überlebt hat.