Weinreben sind von Natur aus Lianenpflanzen, die an Bäumen und Sträuchern dem Licht entgegen klettern. Der niedrige Drahtrahmen, in den sie heute überwiegend gepresst werden und sie „wie Soldaten zum Appell“ in Reih’ und Glied dastehen lässt, bekommt ihnen nicht, meint der junge Winzer. Wird der Leittrieb gekappt, versucht die Rebe, an anderer Stelle weiter zu wachsen und bildet neue Triebe aus. Das natürliche Hormongefüge wird gestört. Werner Michlits hat deshalb seine eigene „Nichtschnittmethode“ entwickelt: In einem immer größeren Teil seiner Weinberge werden die Reben gar nicht mehr geschnitten. Sie dürfen sich ganz natürlich entfalten und tun dabei intuitiv das Richtige. Die Beeren bleiben klein, sodass sie über einen verhältnismäßig hohen Schalenanteil verfügen, was den Weinen viel vom gewünschten Extrakt verleiht. Weil diese Weingärten ungekämmt aussehen, haben die Michlits’ diese Weine „Graupert“ genannt. Der burgenländische Mundartbegriff bedeutet soviel wie „struppig“.
Jeder Rebgarten des Weinguts ist ein Biotop, das Tieren und Insekten als Lebensraum dient. Und das nicht nur, weil zwischen den ungestümen Rebreihen wertvolle Begrünungspflanzen und Wildkräuter wachsen. Mitten in den Rebflächen hat die Familie wertvolle Ökoinseln geschaffen, in deren Zentrum jeweils ein Obstbaum steht.