Viele Jahre war das Beaujolais ein ungeliebtes Anhängsel des noblen Burgunds. Hier wurden seit jeher vor allem einfache Trinkweine statt edler Kreszenzen produziert. Mit dem Beaujolais Nouveau (oder auch Primeur) – einer pfiffigen Vermarktungsidee der Beaujolais-Winzer, um bereits früh nach der Ernte an Bares zu kommen – setzte man dazu im Billigweinsegment weltweit ein (zweifelhaftes) Zeichen. Sagenhafte 180.000 Hektoliter strömten zu den Spitzenzeiten alljährlich ab dem offiziellen Verkaufsstart Ende November in den Markt. Alleine in Deutschland wohlgemerkt. Die Ankunft des kleinen Franzosen wurde zelebriert wie ein Staatsakt: Am Frankfurter Flughafen rollte man mit dem Schlachtruf „Le Beaujolais Nouveau est arrivé!“ den roten Teppich aus, um das erste Kistchen medienwirksam übers Flugfeld zu tragen (Die übrigen paar Millionen Kistchen reisten natürlich in schnöden Lkw an.). Darüber berichtete selbst die Tagesschau. In den folgenden Tagen wurde der Stoff dann in rauschenden Festen vernichtet und war bis zum Jahresende auch schon wieder ausverkauft. Gut so. Denn genauso schnell, wie der Wein wenige Wochen nach der Ernte önologisch aus dem Kellerboden gestampft worden war, ging ihm auch in der Flasche die Puste aus. Und letzteres Schicksal ereilte schließlich auch den Beaujolais-Primeur-Hype als Ganzes.