Betrachtet man die heutige Weinwelt, entsteht der Eindruck, dass der Naturwein-Gedanke ein neumodischer Trend ist, auch wenn er sich an Jahrtausende alten Prinzipien orientiert. Im Weingut Lingenfelder in Großkarlbach im Norden der Pfalz wird schon seit Generationen nach dem Low-Intervention-Prinzip gearbeitet, auch wenn das Ergebnis lange nicht „Naturwein“ genannt wurde. Man orientiert sich einfach an einer 500 Jahre alten Tradition und verzichtet auf synthetische Produkte wie Reinzuchthefen und bewirtschaftet die Weinberge umweltschonend.
Dass Georg Lingenfelder diese Arbeit einmal fortführen würde, war zunächst nicht absehbar. Eigentlich ist er studierter Geologe und hatte bereits einen festen Job, doch die Liebe zur Heimat und sein ausgeprägtes Interesse an Wein zog ihn nach vielen Reisen zurück in die Pfalz. Wobei sein Weg zunächst noch einmal in den Hörsaal führte. In Geisenheim studierte er Önologie, unterstützte aber parallel bereits seinen Vater im heimischen Betrieb. Durch regen Austausch und zahlreiche Tastings wächst Georgs Interesse an naturbelassenen Weinen immer weiter, was seine Winzer-Philosophie bis heute deutlich prägt.