Der Natur freien Lauf lassen – Vom Südtiroler Biopionier zum Naturwein-Winzer
Rudolf Niedermayr gehört in Südtirol zu den Bio-Winzern der allerersten Stunde. Auf seinem Hof Gandberg oberhalb von Eppan bewirtschaftet er seine Weinberge, Obstwiesen und Gemüsebeete schon seit Mitte der 1980er-Jahre biologisch. Wenig später trat er als einer der Ersten dem Bioland-Verband bei.
Sohn Thomas, der 2012 den Betrieb federführend übernahm, geht noch einen Schritt weiter: Die Kraft der Natur, die er überall in den blühenden Rebgärten spürt, will er auch im Keller walten lassen. Deshalb begann er, die Kellertechnik so weit wie möglich zu reduzieren und die Weine spontan vergären zu lassen. „Der spannendste Moment im Werdegang des Weins ist, wenn die Trauben in den Keller gebracht werden und ich darauf warte, dass sie auf natürliche Art und Weise – ganz ohne Einsatz zusätzlicher Mittel – zu blubbern anfangen. Das bedeutet, dass die Gärung begonnen hat.“ Dies kann wenige Stunden oder bis zu zehn Tage dauern.
So entstehen jährlich rund 30.000 Flaschen Naturwein, die vom charakteristischen Kleinklima der Eislöcher am Gandberg geprägt sind. In dem unter Naturschutz stehenden Biotop am ansonsten sonnigen Hang sammelt sich kalte Luft, sodass an dieser Stelle selbst im Sommer die Temperaturen nur zwischen 0 und 9 °C liegen. Die Weine sind geprägt von beeindruckender Frische und Lebendigkeit, wie sie im heißen Etschtal selten zu finden sind.