Auf die Frage nach der perfekten Weinbegleitung zu Hummer, Langusten, Meeresschnecken oder Muscheln gab es in der Grande Nation sowie in der gehobenen Gastronomie in ganz Europa bis in die 1970er-Jahre hinein zwei vollkommen unstrittige Antworten: Muscadet oder auch Chablis. Vor allem der feinwürzige, frische Muscadet mit seiner milderen Säure galt als optimaler Partner. Doch dann kam der Siegeszug der Industrialisierung des Weinbaus mit seinen vermeintlichen Segnungen wie den synthetischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln und auch neuen önologischen Verfahren im Keller. Sie wurden dem Muscadet zum Verhängnis. Denn die große Nachfrage konnte nun mit unbekümmerter Ertragssteigerung bedient werden und der Wein entwickelte sich mehr und mehr zum austauschbaren, billigen Zechwein – ohne Anspruch oder gar Reifepotenzial. Auf den kommerziellen Höhenflug mit Masse statt Klasse folgte ein jäher Absturz – die große Tradition und die altehrwürdige Reputation waren ruiniert. Dass diese Geschichte nun doch noch eine erfreuliche Wendung nehmen kann, ist einigen wenigen Produzent*innen wie der Domaine de la Pépière zu verdanken. Durch sorgfältige biodynamische Arbeit im Weinberg und eine sensible Arbeit im Keller mit nur minimalen Eingriffen haben sie heute dem Muscadet den Weg zurück in den Kreis der großen französischen Terroir-Weine geebnet. Nur der Weg zurück ins Bewusstsein der Konsument*innen, der ist noch eine Durststrecke. Aber an Durst ist man in der Region ja anscheinend gewöhnt …
Bei unserer Loire-Tour im Mai haben wir Rémi Branger auf dem Weingut besucht, mehr darüber in unserem Reisebericht im vinocentral-Blog.