Eine Konzentration des Zuckers kann aber auch vor dem Pressvorgang in der Beere selbst erfolgen. Entweder geschieht dies durch den Edelschimmelpilz Botrytis cinerea, der die Schale porös werden lässt, sodass die Flüssigkeit verdunstet (edelsüße Weine). Oder die Beeren werden nach der Ernte auf Strohmatten getrocknet (Strohweine). Beides führt zu einer Konzentration von Zucker, Säure und Extrakt in den rosinenartigen Beeren.
Riesling besonders prädestiniert
In Deutschland und auch Österreich finden sich zumeist Süßweine gekeltert aus der Königin der Rebsorten, dem Riesling. Aufgrund seiner typischen Säure wird der Restzucker hier bestens ausbalanciert. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang vor allem die rassigen Kabinettweine, die fruchtsüßen Spätlesen sowie die edelsüßen Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen.
Beim Eiswein handelt es sich um eine besondere Spezialität, die aufgrund des Klimawandels heute jedoch immer seltener anzutreffen ist. Gelesen bei höchstens -7°C bleibt der gefrorene Teil des Wassers beim Abpressen der Trauben zurück, was ebenfalls zu einer Konzentration von Zucker und Säure führt.
Weitere geeignete Rebsorten für hochklassige edelsüße Weine sind Semillon (Bordeaux und Südfrankreich), Furmint (Tokajer aus Ungarn) und Gewürztraminer, der vor allem im Elsass zu finden ist. Ein berühmtes Beispiel für Strohwein ist der Vin Santo aus Italien.
Allesamt bieten spannendes Trinkvergnügen mit großer Geschmacksvielfalt, dem trotz des Siegeszuges der trocken Varianten unbedingt wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte!