Georg Lingenfelder Morio Muskat 2024
Mit etwas mehr als 50 Jahren auf dem Buckel ist dieser Morio-Muskat-Weinberg – eine Kreuzung aus Silvaner und Gelbem Muskateller – einer der ältesten in ganz Deutschland und der älteste Weinberg der Familie. Georg Lingenfelder aus dem Norden der Pfalz bewirtschaftet diese vom Kalk geprägte Parzelle im Großkarlbacher Burgweg. Auf dem Etikett findet man nur den etwas kryptischen Ausdruck „Gkb_CastleLane". Da es sich um einen Landwein handelt, darf der Name der Einzellage nicht erwähnt werden.
„Low Intervention" ist das Motto bei Georg Lingenfelder: Alle Trauben sind von Hand gelesen, danach wurden sie mit den Füßen eingemaischt und vier Tage auf der Maische belassen. Es handelt sich also um einen Orange Wine. Nach dem Abpressen wurde er mit wilden Hefen in Barrique-Fässern aus Pfälzer Eiche vergoren, wo der Wein dann für 18 Monate auf der Vollhefe verweilte. Dies ist ein Novum bei Georg, der seinen Weinen seit dem Jahrgang 2023 einen Winter mehr im Fass gönnt. Bis auf eine kleine Menge Schwefel wurden keine Zusätze zugeführt. Abgefüllt wird Lingenfelders Morio-Muskat stets unfiltriert.
Schon in der Nase ist die Rebsorte unverkennbar: das typische Bukett frischer Rosenblätter. Sehr duftig, mit Nuancen anderer Blüten und einer satten, fast exotischen Gelbfrucht, gepaart mit etwas weißem Pfeffer. Auch am Gaumen bleibt alles äußerst aromatisch: Zitrusschalen gesellen sich zu herber Quitte und Pampelmuse. Dank einer wohl austarierten Säure bleibt alles schlank und präzise. Tolle mineralische Länge mit feinwürzigen, etwas an ein fruchtiges Curry erinnernden Akzenten und einem jodig-salzigen Finish.
Gelungene, moderne Neuinterpretation eines fast vergessenen Pfälzer Klassikers.
Robert Frey vom vinocentral-Team, August 2026